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Miniatur-Porträt im Bild des Malers Robert Campin

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Portrait im roten Stein?Kann es sein, dass knapp 600 Jahre eine versteckte Botschaft in einem Gemälde des flämischen Malers Robert Campin nicht entdeckt wurde? Hat dieser bedeutende Maler der flämischen Schule nur ein einziges Selbstbildnis hinterlassen – winzig klein, auf dem Ehering der Geliebten?

Die Nachricht von diesem Köpfchen, versteckt im Gemälde "Porträt einer Frau", 1430 von Robert Campin (1375-1445) gemalt, dürfte in der Londoner National Gallery – dort hängt das Bild – für einiges Aufsehen sorgen. Vermutlich werden kunstkundige Herren mit Lupe bewaffnet über die Flure zum Objekt der Spekulation eilen. Ein verstecktes Selbstbildnis des auch "Meister von Mérode" genannten flämischen Künstlers? Kann das sein?

Deutlich vergrößert ist ohne Zweifel ein Männerkopf mit Bart zu erkennen. Zugegeben: Ob es ein Selbstbildnis ist, ist nicht zu beweisen. Denn es gibt von dem Maler Campin kein einziges Bild. Der Ehemann der abgebildeten Dame ist es aber sicher nicht. Wie auf dem Hochzeitsdoppelbild zu sehen, trägt er keinen Bart. Für ein Selbstbildnis spricht, dass die Miniatur als Spiegelung abgebildet ist. Der schönen Braut gegenüber saß der Maler.

Bildausschnitt

Im Fingerring der Porträtierten steckt das Geheimnis: ein Selbstbildnis Robert Campins um 1435

Zu verdanken ist die Entdeckung des nur etwa vier Millimeter großen Kopfes auf dem Gemälde dem Hallenser Archäologen Mirko Gutjahr vom Landesmuseum für Vorgeschichte. Gutjahr hatte Ringdarstellungen auf Abbildungen aus der Zeit Martin Luthers in Augenschein genommen. Grund dafür war ein Fund im Garten des Lutherhauses in Wittenberg. 2004 war dort neben vielen anderen Objekten aus der Zeit Luthers ein vergoldeter Ring gefunden worden, in dem einst ein Edelstein eingefasst war. Dieser Ring sollte zeitlich eingeordnet werden. Gehörte dieser Ring vielleicht gar Luthers Ehefrau, Katharina von Bora? "In jedem Fall war er Eigentum einer Dame von gehobenen Stand", so Mirko Gutjahr.
Allerdings galten vergoldete Ringe dieser Art damals nicht als Seltenheit, sondern waren in gehobener gesellschaftlicher Position üblich. Auf dem Hochzeitsbild der Katharina von Lucas Cranach d. Ä. (1526) trägt Luthers Frau einen ähnlichen Goldring. Für eine Zuordnung des Fundstückes in den Haushalt Luthers spricht auch ein Briefwechsel des Reformators mit dem Straßburger Theologen Wolfgang Capito. Der Glaubensbruder schenkte Katharina anlässlich seines Besuches 1536 in Wittenberg einen Goldring. Dieser Ring ging im Haus verloren oder wurde gestohlen, schrieb Luther später.

Wie auch immer: Zur Vorbereitung der für den Herbst in Halle geplanten Landesausstellung stieß der "Hallenser Herr der Ringe", Mirko Gutjahr, auch auf das Gemälde von Robert Campin. Bei der National Gallery in London wurden digitale Kopien und Vergrößerungen bestellt.

Gutjahr guckte einmal, guckte zweimal, kratzte sich am Hinterkopf – und dann war er da, der Männerkopf. Harald Meller: "Man sieht nur das, was man weiß. Aber wenn man es erst mal weiß, sieht man es immer."

Nach ihrer Entdeckung zogen die Archäologen nur einen Experten hinzu: Den Direktor des Instituts für Kunstgeschichte und Archäologie Europas an der Universität Halle, Wolfgang Schenkluhn. "Sensationell" nannte der Professor das Bildchen gestern. Campin sei einer der ersten Maler gewesen, die die realistische Tafelmalerei bis zur Perfektion getrieben haben. Wen auch immer das Bild zeige: "Es ist ein verstecktes Bildnis, das ein Geheimnis in sich trägt", so Schenkluhn.

Meller hatte bei der Vorstellung des Minibildes sichtlich Spaß daran, ein wenig über die Zuordnung des kleinen Bärtigen zu spekulieren. Es gebe schon ein paar Hinweise, die nahe legen, dass es sich um ein Selbstbildnis handelt. Und es sei vermutlich nicht ohne Grund an dieser pikanten Stelle – direkt auf dem Hochzeitsring – platziert worden.
Zunächst: Robert Campin war kein Kind von Traurigkeit. 1432 – zwei Jahre nachdem das besagte Hochzeitsbild entstanden war – wurde er angeklagt, mit einer gewissen Leurence Polette "schon seit langer Zeit ein unsauberes und ausschweifendes Leben geführt" zu haben, ist aus den Gerichtsprotokollen überliefert. Eine einjährige Verbannung wegen Ehebruchs aus Tournai (Belgien) wurde zwar in eine Geldbuße umgewandelt, aber bis zu seinem Tod 1445 erhielt er nur noch wenige öffentliche Aufträge.
Ist auf dem "Porträt einer Frau" von 1430 vielleicht besagte Leurence Polette zu sehen? Das Bild ist Teil eines Doppelbildes, wie es anlässlich von Hochzeiten damals üblich war. "Den Ehemann hat er von einem Schüler malen lassen. Höchst ungewöhnlich, denn der hat doch die Rechnung bezahlt", so Harald Meller. Auch falle auf den beiden Bildern der mürrische Gesichtsausdruck des Ehemanns auf. Ihr Antlitz scheint dagegen von einem geheimnisvollen Lächeln umspielt zu sein. Meller: "Dies ist auch Kunstkritikern in der Vergangenheit aufgefallen. Selbst ihre Haube scheint zu lächeln."

Porträt eines Mannes

Porträt eines Mannes

Porträt einer Frau

Porträt einer Frau

Hat der flämische Meister bei den Sitzungen mit der schönen Leurence seinen Pinsel vielleicht nicht nur besonders kunstvoll, sondern auch auf sehr abwechslungsreiche Art geschwungen? Rührt daher der besondere Zauber des Lächelns dieser flämischen Braut? Mehr noch: Verhöhnte Robert Campin den Gehörnten gar, indem er sich selbst als Spiegelbild im Ehering verewigt hat? Das wäre – damals wie heute – reichlich frech. Zu beweisen sein wird das nie. Aber diese Geschichte ist zu amüsant, um nicht bei Betrachtung des Bildes bis in alle Ewigkeit erzählt zu werden.

Der Text stammt aus der Magdeburger Volksstimme vom 3.9.2008.

Weitere Informationen über Robert Campin bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Campin

 

Nachtrag: Die National Gallery erklärt ganz nüchtern: "Das Muster, das offenbar ein Gesicht auf dem Ring ergibt, ist unbewusst entstanden. Der Eindruck ergibt sich daraus, dass ein dunkler Fleck gerade dort auftaucht, wo das rechte Auge sein sollte, wenn die roten Glanzlichter als Gesicht angesehen werden. Tatsächlich befindet sich an dieser Stelle aber nur ein Riss, und keine Farbe. Daher glaubt das Gehirn, zwei Augen zu sehen und stellt sich ein Gesicht vor."

Autor: Sven Soltmann

Seit 1999 sammle ich sogenannte Eastereggs und veröffentliche diese auf meiner Homepage.

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